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1. Etappe - Polen

von Uwe Meißner

Russland 2013 Wie viele Weltenradler hat der schon gesehenEin Bild wie im Märchen: ich rausche, den Sonnenwind im Rücken, dahin und Grüße die die auf dem Feld arbeitenden Bauern, die zurück grüßen. Noch ein Bild: Ich hole mir im „Sklep” (Lebensmittelgeschäft) tags reinen Alkohol zur Pflege meines wunden Sitzfleisches. In derselben Zeit erscheinen im Laden ein Mann und eine Frau mit dem selben Wunsch, doch zu anderem Zweck.

Beide Bilder sind wahr, Momentaufnahmen aus einer Reihe von Tageseindrücken. Sie zeigen auch  2 Seiten meines Radelns: Die Freude, wenn es läuft und die physische Anstrengung, das körperliche Leiden bei Überanstrengung.

Doch der Reihe nach. Fast hätte ich nach dem 1. Tag umkehren müssen. Meine Visacard-PIN funktionierte nicht in der 1. polnischen Stadt, Slubice. Verzweifelt fuhr ich über die Brücke zurück nach Frankfurt, wo mir freundliche Sparkassenmitarbeiter meine Verzweiflung ansahen, mir weiterhalfen, obwohl beide Kassen „nichts miteinander zu tun” hätten. Aus dem Funkloch mit ihrem Apparat nach Berlin telefonierend, gab es nur die Aussicht, mich an die richtige PIN zu erinnern oder in Berlin eine neue abzuholen. Woher dann die Erinnerung kam, weiß ich nicht...

Das 2. Mal stand ich verzweifelt vor der wegen Hochwasser untätigen Fähre in Milsko, wo mir die ansässigen Adam und Theresa mit Gastfreundschaft und ihrRussland 2013 Chelm: so einfach kann polnisch sein blachy na dachy - Bleche auf die Daecheren Versuchen, den Fährmann zum übersetzen zu bewegen zwar die Verzweiflung erträglicher machten – letztlich musste ich aber doch den 30 km-Umweg über Nova Sol nehmen, wodurch sich meine Kräfte an dem Tag zusätzlich anspannten. Denn der bisher gnaedige Rueckenwind begann sich zu drehen. Die nächsten zwei Tage bemühte ich mich verzweifelt, den 100 km-Durchschnitt zu halten. Bei Gegenwind, wenn man kleinste Steigungen mit kaum mehr als 10 km/h nehmen kann, ein Wahnsinnsunterfangen. Abends zitterten meine Knie. Als sich am 23.4 bei der Ausfahrt aus Kalisz, wo ich das 1. Mal einen halben Tag dem Ungeheuer Informationsverarbeitung dank der tollen Chris und Alisia halbwegs beigekommen bin, kein Gegenwind einstellte, konnte ich das mir von meiner Gabi gewünschte Glück kaum fassen. Prompt folgten 3 Tage mit jeweils etwa 150 km, obwohl ich am letzten Tag nur noch nach Chelm kommen wollte, um mal einen ganzen Tag für mich zu haben. Was heißt: Wäsche waschen, Internetsafe, wo ich den Text gerade ein 2. Mal schreibe, weil aus Versehen gelöscht, das Fahrrad checken, obwohl es gut läuft.

Zwischendurch immer wieder anhalten für Fotos, die Videos kommen später.

Am Ende des Tages habe ich keine Lust, das Zelt aufzustellen, ebenso wenig zu kochen. Ich leiste mir gutes Essen, trinke viel, auch mal ein Käffchen mit Kuchen, wenn die Leistung stimmt.

Und immer wieder die hilfreichen Leute, so z.B. Der alte Zemen, der unbedingt meine Sachen in mein Hotelzimmer in Jaronice schleppen wollte. Kaum angekommen, bediente er sich vom für Hotelgäste bereitstehenden Wasser. Später fehlte ein hübsches Hotelglas. Als er am nächsten Morgen wieder meine Sachen nach draußen tragen wollte, war ich unwillig. Wer weiß... - nachher war ich beschämt. Zemen packte Geschenke und Verpflegung aus, wollte mir unbedingt einen Briefumschlag mit seiner Adresse und 20 Zloti aushändigen, damit ich hinterher über den Verlauf meiner Tour berichte. „Und wofür die 20 Zl.?” „Für die Briefmarke.”

Heute schlafe ich auf dem „Chelm”, einer alten Bezeichnung für den Huegel, auf dem das römisch-katholische Kloster thront. Ich schlafe direkt gegenüber einem Bild Karel Wojtylas und einem Kruzifix unter einem weltlichen Bild. Auch wenn das Bett schmaler ist, so ist mir's lieber.

Die Nonnen und Popen waren schlau genug, ihre Pension ins Internet zu stellen, wo sie eine hilfsbereite Kellnerin mit Smartphone mir herausgesucht hatte.

Morgen soll es in die Ukraine gehen. Neue Menschen, neue Ereignisse und Anstrengungen werden auf mich warten. Bis dahin...

Euer UweRussland 2013  Chelm Nur noch 384 km bis zur Ukraine

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